Nachhaltige Marktwirtschaft - Bürgerstrom

Bürgerstrom und Klimawandel

Corona-Pandemie - Virus - Covid-19 - SARS-CoV-2
Lockdown und Shutdown 2020
Schaffen wir es, danach eine nachhaltige Marktwirtschaft zu entwickeln?

Chancen und Möglichkeiten für eine nachhaltige Marktwirtschaft.

Trotz oder gerade wegen aller Unwägbarkeiten, die sich durch oder aus der Corona-Pandemie ergeben (werden), besteht jetzt die Möglichkeit, unser wirtschaftliches Handeln auf Nachhaltigkeit zu prüfen und umzusetzen. Nachhaltig ökonomisch, nachhaltig ökologisch und nachhaltig sozial zu handeln, sind keine Konkurrenzstrategien sondern Ergänzungsstrategien. Nutzen ergibt sich nicht nur aus "mehr Geld" und "mehr Wachstum". Nutzen ist weit vielfältiger. Der optimale Nutzen ergibt sich aus der Gesamtheit der Wohlstandsmehrung für alle gesellschaftlichen Gruppen, für die gesamte Flora und Fauna und für die künftige Klimaentwicklung. Warum messen wir Prosperität = Wohlstand nicht umfassend, sondern halten uns an antiquierten Begriffen wie dem BIP = Bruttoinlandsprodukt auf? Wachstum im umfassenden Sinn ist nicht nur das BIP.
Nachhaltige Marktwirtschaft
funktioniert anders.

Robert-Koch-Institut - RKI 

Wer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft sein möchte, was es zum Coronavirus (SARS-CoV-2) zu sagen gibt, kann sich unter anderem auf der Seite des Robert-Koch-Instituts ausführlich informieren.

Coronavirus-Pandemie
Das Robert-Koch-Institut informiert über das Virus
Steckbrief zum Coronavirus vom RKI - Stand 2020-05-15.pdf (551.67KB)
Coronavirus-Pandemie
Das Robert-Koch-Institut informiert über das Virus
Steckbrief zum Coronavirus vom RKI - Stand 2020-05-15.pdf (551.67KB)


 

 

Covid-19 - Ansichten von Dietmar Helmer fuer Freunde nachhaltigen Handelns

Dienstag, 31. März 2020

Liebe Freunde nachhaltigen Handelns!

Die Corona-Pandemie mit Covid-19 stellt uns vor ungewohnte Herausforderungen. Eine weltweite Situation, wie sie sich derzeit entwickelt, gab es seit 100 Jahren nicht mehr. In einer auf unbegrenztes Wachstum ausgerichteten Welt, die mit wenig Rücksichtnahme auf soziologische, ökologische oder kulturelle Aspekte wirtschaftet, war nicht vorgesehen, dass es eine Pandemie geben könnte. Dass der Klimawandel ebenfalls Pandemiewirkungen haben wird, wollten wir bisher einfach nicht wahr haben. Nun ist eine weltweite Pandemie da und die ignorante, unvorbereitete Welt-Ökonomie ist geschockt.

Weil wir auf Just-in-Time getrimmt sind, gibt es nicht einmal eine angemessene Lagerhaltung für Schutzmasken oder Beatmungsgeräte. Grundstoffe für Antibiotika oder Schmerzmittel wurden monopolisiert und nach Asien verlagert. Die wirtschaftliche Globalisierung mit geringsten Kosten und maximalen Gewinnen hatte sich durchgesetzt, obwohl die Warnzeichen für diese Art von Selbstzerstörung schon lange erkennbar waren.

Die Nationen haben auf Kosten der Umwelt und der sozialen Strukturen gelebt. Es war schick, Kleidung aus Asien zu kaufen für wenige Euro, obwohl wir die Herstellungsbedingungen kennen. Die Ernährungs-beschaffung wurde trotz jahrzehntelanger Diskussionen nicht wesentlich zugunsten der Umwelt und der Tiere geändert, trotz Artikel 20a Grundgesetz.

Art 20a GG: Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.

Ach ja, Art 20a GG ist zwar schön formuliert (und ist seit dem 27.10.1994 in Kraft!!), aber die Umsetzung geht ja angeblich nur europaweit oder global. Alleingänge sind laut Wirtschaft und Politik in dieser vernetzten Welt nicht sinnvoll. Dieses Postulat habe ich nie verstanden. Menschen und Tiere und die Umwelt schützen, machen wir demnach vom langsamsten, schwächsten oder uneinsichtigsten Glied in der Kette abhängig. Das ist eine so bequeme Haltung, wenig zu tun oder vieles zu lassen.

Mancher denkt, wie kann der Helmer jetzt, in dieser Krise, von Nachhaltigkeit reden, von Umweltschutz, von sozialer Verantwortung? Genau jetzt haben langfristig orientierte Menschen eventuell eine Chance, endlich gehört zu werden. Nicht nur zur Kenntnis nehmen. Aufnehmen, wahrnehmen!

Jetzt haben wir Krise. Jetzt muss sehr konsequent gehandelt werden. Nachdem die Politik und die Menschen im Januar und Februar 2020 noch uneinsichtig waren, was das Risikomanagement zu einer Seuche wie Covid-19 angeht, wurden im März 2020 schmerzhafte aber richtige Maßnahmen eingeleitet. Wer immer noch glaubt, dass wir schnell wieder zur Normalität kommen, mit Massenveranstaltungen, Urlaubsreisen, Einkaufen, der sieht der Realität noch nicht in die Augen.

Jeden Tag hört man weithin zuerst: die Wirtschaft, die Wirtschaft … wir müssen schnell zur Normalität zurück, weiter machen wie bisher. Natürlich sind akut Millionen von Existenzen in Gefahr. Selbstständige, Freiberufler, Künstler, Einzelhändler, Handwerker, aber auch Arbeitnehmer, insbesondere Zeitarbeiter, geringfügig Beschäftigte etc. und Menschen, die in Kurzarbeit müssen. Die Bevölkerung schreit aktuell auf, wegen der bedrohten Existenzen.

Meine Frage: Wie wirst du dich verhalten, wenn die Krise vorbei ist? Weiter deine Bücher, deine Schuhe, deine Kleidung… überwiegend bei A bis Z online einkaufen? Oder wirst du nach der Krise dich eher auf den Einzelhändler um die Ecke besinnen? Wirst du sagen, ich habe jetzt weniger Geld, deshalb kaufe ich noch mehr Schnäppchen im Internet? Oder wirst du wirklich solidarisch sein und sagen: „Ja, ich möchte den Buchladen um die Ecke erhalten. Ja, ich möchte den Bauernhofladen unterstützen. Ja, ich möchte in der kleinen Boutique und dem Schuhladen einkaufen.“

Klatschen und „Danke sagen“ für die Krankenschwestern/ -pfleger und Ärzte/-innen, aber auch für Lastwagenfahrer und andere Berufsgruppen ist gerade ein „viraler Hit“, weil sie so gute Arbeit leisten. Ja, das tun diese Menschen – auch schon bisher. Ja, das sind nette Gesten. Aber werden wir uns als Gesellschaft nach der Krise endlich dazu bekennen, dass unser Gesundheitssystem krank ist? Wann werden die Gehälter der Pfleger/-innen und Ärzte/-innen sachgerecht angepasst? Wann wird der Pflegenotstand endlich beseitigt? Wann werden genügend Pflegeplätze eingerichtet, die den Helfenden nicht nur die Verrichtung der in der Pflegetabelle angedachten Tätigkeiten ermöglicht, sondern auch Menschlichkeit in ausreichendem Maße den Hilfsbedürftigen zukommen lässt? Oh, das kostet Geld! Das haben wir nicht? Man sieht aber: Die Wirtschaft ruft und es werden umgehend allein in Deutschland 600.000.000.000 Euro vom Staat bereitgestellt. Zuzüglich weiterer Garantien und Bürgschaften in ähnlicher Höhe.

Meine Frage: Ist es richtig, börsennotierten Unternehmen Milliardenhilfen bereitzustellen, wenn diese Unternehmen zur gleichen Zeit Milliarden an Dividenden an die Aktionäre ausschütten?

Meine Frage: Ist es richtig, allen Unternehmen, unabhängig von deren persönlichen tatsächlichen wirtschaftlichen Situationen ohne Prüfung von Einkommen und Vermögen die Pauschale von mindestens 9.000 Euro auszuzahlen? Ja? Warum müssen Rentner/-innen mit 700 Euro Rente im Monat eine Einkommensprüfung durchlaufen, wenn sie die Grundrente bekommen wollen? Ach ja, die haben angeblich so viele Nebeneinkünfte…

Kleine Selbstständige, Restaurants, Hotels, kleine Shops und Handwerker haben keine Dividenden zum Ausschütten, die kämpfen um ihr Überleben. Denen hätte ich persönlich mehr finanzielle Hilfe zukommen lassen. Die Konzerne machen Kurzarbeit und bekommen die Sozialversicherungskosten gezahlt. Die Aktionäre bekommen Dividenden…

Meine Frage: Wer plant seine nächsten Urlaube für Pfingsten, die Sommerferien, den Herbst oder Winter 2020? Viele von uns wollen natürlich wieder wegfliegen, so billig wie möglich, Kreuzfahrten machen, so bequem wie möglich. Wegfahren, egal wohin. Wer glaubt denn tatsächlich, dass im Sommer 2020 wieder ungebremst geflogen werden kann wie früher?

Keine Besinnung für das, was man im eigenen Land hat, in Europa oder gar zu Hause? Es wird jetzt geschrieben von zunehmender häuslicher Gewalt, von Vereinsamung und viel sozial Unangenehmem mehr. Wir haben seit gerade Mal dem 23.03.2020 eine körperliche soziale Distanzierung verordnet bekommen und viele haben jetzt schon einen Koller? Leute, das geht noch mindestens 3 Wochen so, aktuell bis 20.04.2020. Und danach?

Meine Frage: Kann es sein, dass die soziale Distanzierung bereits seit Jahren da ist, weil die nächste WhatsApp-Nachricht, das nächste Instagram-Foto, das nächste YouTube-Video wichtiger war und ist, wie das gemeinsame Miteinander? Sind viele Beziehungen nicht auf „Arbeitsbeziehungen“ reduziert worden? Wir machen vieles zusammen, aber wenig gemeinsam in unserer Gesellschaft. Wir machen aber auch vieles Gegeneinander.

Ich hoffe sehr, dass wir die Chancen nutzen werden, die uns diese Krise eröffnet. Albert Einstein sagte: „In der Mitte von Schwierigkeiten, liegen die Möglichkeiten.“ Ich finde das ist ein sehr wichtiges Lebensmotto. Ich sehe, wie ungeduldig viele von uns sind. Jeder will wieder ins Stadion, ins Konzert, zum Sport, auf Reisen, Fliegen, Kreuzfahrten machen, weg, weg, weg …

Wollen oder können wir uns keine Zeit nehmen, „nach-zu-denken“, was wir anderes machen können? Wir werden einen sehr starken Wirtschaftseinbruch erleben. Die genannten 3%-5% Rezession der Wirtschaftsweisen vom 30.03.2020 sind deutlich untertrieben. Wir sollten mal eher von wenigstens 8%-10% ausgehen. Das ist wahrscheinlicher.

Man muss keine Mathematik studiert haben, um folgende sehr vereinfachte Rechnung aufzustellen: Bruttowertschöpfung (=BIP) Deutschland im Jahr 2019 mit 3.436 Mrd. = 100%; verteilt linear auf 12 Monate sind das ca. 286 Mrd. Nimmt man für 1 Monat einen Rückgang von 40% an, dann entspricht das linear auf das Jahr bereits einem Rückgang von ca. 3,3%, bei 2 Monaten ca. 6,6%. Nimmt man je noch einen weiteren Monat mit nur 20% und 10% Rückgang des BIP an, dann sind das weitere ca. 1,7% bzw. ca. 0,8%, in Summe 9,1%. Jede Kalkulation ist davon abhängig, wie lange der Shutdown anhalten wird und wie schnell sich weltweilte Lieferketten wieder aufbauen lassen.

Warum meine ich, dass dieses Szenario wahrscheinlicher ist? Weil es nicht möglich ist, einen nicht gemachten Restaurantbesuch nachzuholen, oder ein nicht besuchtes Fußballspiel, oder den nicht gekauften Blumenstrauß. Wer kauft im Sommer mehr T-Shirts oder Schuhe, weil er im Frühjahr keins gekauft hat? Die ausgefallene Reise ist ausgefallen. Die Flug-, Bus-, Bahnfahrten haben nicht stattgefunden. Wer fährt im Herbst mehr Bus und Bahn, um die „verlorenen“ Fahrten nachzuholen? Ja, die Autoindustrie könnte im Herbst ein paar mehr Autos verkaufen, wenn jetzt weniger verkauft werden. Das kann sein. Aber: Wir haben eine WELTWEITE Pandemie!! Millionen Menschen werden 2020/2021 keine oder weniger Arbeit haben, Vermögen an den Börsen verloren haben, Erspartes aufbrauchen. Hat dann der nächste Autokauf eine hohe Priorität, oder doch eher der Urlaub?

Also liebe Neo-Liberale, liebe Wirtschaftstheoretiker. Mit euren Standardaussagen in den Gutachten kommt ihr diesmal nicht weiter. Nach meiner Meinung ist das Bruttoinlandsprodukt auch nicht wirklich wichtig als Messgröße für Wohlstand und vor allem nicht für Wohlfahrt. Vielleicht werden endlich andere Indikatoren als Vergleichsgrößen herhalten. Es gibt dutzende von Möglichkeiten, den tatsächlichen Wohlstand einer Gesellschaft darzustellen. Das gibt mir große Hoffnung. Wir müssen nur verstehen, dass über 70% aller Arbeitsplätze für Tätigkeiten im Inland gebraucht werden: Handwerker, Einzelhändler, Künstler, Restaurant- und Hotelbesitzer, Bildungsberufe, Gesundheitsberufe, die Baubranche, Logistik, Post, Telekommunikation, Behörden und viele, viele Berufe und Institutionen mehr. Wenn wir darauf achten, dann erkennen wir das Wichtige am wirtschaftlichen Handeln. Qualität statt Quantität.

An dieser Stelle verzichte ich auf Statistiken. Wer sich aber mit dem Thema ernsthaft beschäftigen möchte, kann sich durch die Daten arbeiten und wird erkennen können, worauf es in unserer Wirtschaft wirklich ankommt.

Stattdessen zeige ich an dieser Stelle ein paar Chancen auf, die unsere Wirtschaftskraft erhalten können, aber endlich auch eine nachhaltige Wirtschaftsweise nahebringen, mehr soziale Verantwortung, mehr Umweltgerechtigkeit. Art 20a GG mit Leben füllen!!

1.    Werden wir endlich soziale Berufe, Künstler, kleine Handwerker, kleine Selbstständige fair und ihrer sozialen Bedeutung entsprechend gerecht behandeln und bezahlen?

2.    Schaffen wir endlich faire Mindestlöhne und reduzieren nicht sozialversicherungspflichtige Jobs und Schein-selbständigkeit?

3.    Wird es eine sachgerechte Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen geben können? Millionen Menschen müssten dann keine existenzielle Angst vor einem solchen Shutdown haben.

4.    Wird Homeoffice endlich salonfähig? Ich habe gelesen, es gibt weniger Staus, weniger Unfälle auf den Straßen? Erstaunlich was möglich ist, wenn etwas verändert wird. Wird man Mobilität neu denken? Und umsetzen?

5.    Kaufen wir mehr beim Einzelhändler vor Ort, beim Landwirt vor Ort? Diese sollten sich im Gegenzug besser miteinander vernetzen und organisieren.

6.    Schaffen wir faire Preise für faire Lebensmittel? Verbessern wir die Produktionsmethoden zum Wohle der Nutztiere und der Artenvielfalt?

7.    Werden Umweltsteuern, wie eine wirksame CO2-Steuer eingeführt? Wird es eine wirksame Transaktionssteuer auf Spekulationen geben? Senken wir Im Gegenzug die Sozialkosten auf Arbeit?

8.    Werden wir den armen Ländern der Welt endlich wirklich helfen, indem wir dafür sorgen, dass Menschen dort menschenwürdig arbeiten und leben können? Fördern wir endlich die dortige Landwirtschaft und nicht unsere Überproduktion, mit der wir dort großen Schaden anrichten?

9.    Werden wir endlich in Ressourcenkreisläufen denken und unsere Abfälle als Wertstoffe behandeln?

Ich könnte endlos weiter fragen, welche Chancen sich auftun, wenn wir es wollen...

Der Staat zeigt, dass er handlungsfähig ist, wenn die Schwierigkeiten groß genug sind. Warum ist so etwas erst möglich, wenn die Krise da ist? Wir kennen die Fakten beim Klimawandel, handeln aber nicht entsprechend. Wird das nach der Pandemie anders werden? Wird diese konsequente Handlungsfähigkeit in ein paar Monaten noch da sein, wenn es um Nachhaltigkeit, um Veränderung geht? Ich wünsche mir eine Zukunft, die eben nicht zurückkehrt zu der Wirtschaftsweise, wie wir sie die letzten Jahre erlebt haben. Was haben wir seit RIO 1992 getan und was haben wir unterlassen?

Wenn wir in Europa glauben, die Krise überwunden zu haben, dann wird das Virus weiter in der Welt wirken, in Afrika, in Südamerika und in anderen Teilen der Welt. Solange es kein wirksames Medikament gibt oder gar einen Impfstoff, wird die Reisefreiheit begrenzt bleiben, werden soziale Verhaltensweisen neu zu denken sein. Über Monate und darüber hinaus.

Meine Frage: Wenn es laut Politikern um Leben und Tod für Kranke, Alte, Kinder und andere geht bei Covid-19, gilt das dann nach der Krise auch bei Stickoxiden, bei Pestiziden, bei Nitrat im Grundwasser, beim Artensterben, bei der Grundversorgung mit Medikamenten, bei Impfungen, …?

Wenn wir glauben, wir können unseren Urlaub ins Ausland machen wie bisher, sage ich euch, machen wir es anders. Wenn wir glauben, wir können bald wieder für 50 Euro übers Wochenende ins Ausland fliegen, um Schuhe zu kaufen oder Kaffee zu trinken, sage ich euch, machen wir es anders. Kann dann in manchen europäischen Städten wieder die ansässige Bevölkerung in Wohnungen einziehen, die bisher von international tätigen Vermietungsplattformen für Touristen belegt wurden?

Die Zinsen werden absehbar auf sehr niederem Niveau bleiben. Werden die Kaufpreise für Wohnungen weiter steigen? Werden die Mieten weiter steigen? Seit Jahren hat die Gesellschaft es nicht geschafft, die Mietsteigerungen zu bremsen. Die Kaufpreise auf sinnhaftem Niveau zu halten. Das wird sich jetzt möglicherweise ändern! Da bin ich zuversichtlich, zumindest für 2020 und 2021. Covid-19 wird den Wohnungsmarkt durcheinanderbringen, zugunsten von Mietern und privaten Käufern zur Selbstnutzung. Zulasten gewerblicher Großkonzerne und Investmentgesellschaften.

Macht euch die Mühe, mal die Börsenumsätze in den letzten Wochen anzuschauen. Es wird gezockt, was nur möglich ist. An manchen Tagen, 5-10% nach oben oder nach unten. Das hat sicher nichts mit wirtschaftlichem Handeln zu tun. Das sind oft Algorithmen, automatisierte Programme, die nach den Vorgaben der Eingeber funktionieren. Derivate werden gehandelt wie selten zuvor. Es werden Gebühren erzeugt, was das Zeug hält. Der Staat hätte schnell einen Teil des Geldes wieder vereinnahmt, wenn er hier aktiv geworden wäre und werden würde mit einer wirksamen Finanztransaktionssteuer. Mehr als 10 Jahre Warteschleife seit der Finanzkrise sollten genug sein.

Ihr glaubt, dass es in diesen Wochen bereits einen Börsencrash gab? Wir haben aktuell gerade mal das Kursniveau vom Tag der Wahl des amerikanischen Präsidenten von November 2016 erreicht. Die Billionen heiße Luft, die durch die EZB und die FED und andere produziert wurden, und mit Hilfe zehntausender „Luftpumpen“ in den Investmentbanken und anderen nicht näher bezeichneten Institutionen seit Jahren „die Märkte“ aufzublasen, sind nun verpufft. Aktuell kommt die Börse auf „Normalmaß“ zurück.

Beispiele: DAX am 09.11.2016 mit 10.712, Dax am 30.03.2020 mit 9.680 / MDAX am 09.11.2016 mit 20.731 am 30.03.2020 mit 20.691 / Dow Jones am 09.11.2016 mit 18.777 am 30.03.2020 mit 22.019 / Nasdaq am 09.11.2016 mit 4.763 am 30.03.2020 mit 7.817

Wer das als Börsencrash sehen will, der kann das so sagen, wenn man die heiße Luft der letzten Jahre mitrechnet. Wundert euch nicht, wenn es in den nächsten Wochen einen weiteren Börsenrückgang geben wird. Mal sehen, wie viele 1.000de von Milliarden an Anleihekäufen die Zentralbanken durchführen werden oder Staaten Anleihebürgschaften geben werden, um einen echten Börsencrash zu verhindern.

Meine Frage: Wie wird es mit den milliardenschweren Investmentgesellschaften oder den „Heuschrecken“ oder den Hedgefonds weitergehen? All den unregulierten Handelshäusern dieser Welt? Deren Server dürften aktuell auch auf Hochtouren laufen. Eine Pandemie war in den Algorithmen wahrscheinlich nicht eingerechnet. Der ETF-Handel und der sonstige Derivatehandel dürfte auch gelitten haben?

Wie sieht aktuell deine persönliche Altersvorsorge aus, wenn du überwiegend auf Aktien gesetzt hast? Alle paar Jahre geht die Wette eben nicht auf. Dann fängt man von vorne an. Investmentbanker sitzen schon in einigen Regierungen ganz oben oder wollen bald regieren. Werden von der Finanzindustrie unabhängige Menschen eine Chance haben, anders regieren zu können?

Fragt euch selbst, ob ihr wirklich so weiter machen wollt, wie bisher. Wir sind möglicherweise zu den Hamstern geworden, die uns die Medien weiß machen wollen. Aber nur, weil uns die Wirtschaft in den Büros und Fabrikhallen, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, ausreichend Hamsterräder hingestellt hat. Um bis zur Erschöpfung weiter zu arbeiten. Für angeblich mehr Wohlstand. Oder doch eher für den früheren Burn-Out oder andere Krankheiten?

Schaffen wir es, das quantitative Wachstum mit der Kenngröße des Bruttoinlandsprodukts endlich zu beenden und uns um das qualitative Wachstum, um Wohlfahrt zu kümmern? Schaffen wir es, endlich Lohngerechtigkeit zu schaffen und Arbeitsplätze umzuschichten in sinnhafte Tätigkeiten, die mehr den Menschen und der Natur dienen?

Ja, ich bin ein Träumer. Gott sei Dank, dass ich noch Träume habe. Nur zwei Zitate möchte ich hier nennen:

Hans Kruppa: „Wirklich reich ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat, als die Wirklichkeit zerstören kann.“
Eleanore Roosevelt: „Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.“

Meine Hoffnungen, meine Träume sollen sinnhafte Arbeit, Zuversicht und Sicherheit schaffen. Sie schaffen kein quantitatives Wachstum. Sie schaffen qualitative Wohlfahrt. Eine Wohlfahrt die dem Menschen, den Tieren und der gesamten Natur dient.

Schafft es der Virus nur in unsere Lungen? Oder schafft es der „Virus“ im übertragenen Sinne auch in unsere Herzen und in unseren Verstand? Seien wir anders. Verändern wir die Gesellschaft. Sie wird sowieso anderes sein. Machen wir etwas Gutes daraus.

Beste Grüße
Dietmar Helmer
Dienstag, 31. März 2020

Sachverständigengutachten der Wirtschaftsweisen für die Bundes-regierung, veröffentlicht am 30.03.2020

Sachverständigenstudie des IFO-Instituts, veröffentlicht am 22.03.2020

Webseiten des Robert Koch Instituts (RKI) und der
Johns Hopkins Universität

Corona-Zahlen Welt und Corona-Zahlen Deutschland

Covid-19 - Ansichten von Dietmar Helmer fuer Freunde nachhaltigen Handelns

Freitag, 01. Mai 2020

Liebe Freunde nachhaltigen Handelns!

Am 31. März 2020 hatte ich einen Brief geschrieben über meine persönlichen Ansichten und Vorausschauen zu einzelnen Themenfeldern der Nach-Corona-Pandemie-Zeit. Vielen Dank für die positiven Rückmeldungen zu meinen Inhalten. Wenn man sich zu Voraussagen hinreißen lässt, gilt es auch, eine Überprüfung der Aussagen durchzuführen. Einige Fragestellungen können erst nach der Pandemie beantwortet werden, aber einige Themen sind schon im Laufen.

Auch wenn manches einem einen „Schauder über den Rücken ziehen lässt“, gilt: Nach der Rezession kommt ein Aufschwung. Der ist hoffentlich nicht nur der Wirtschaft dienend, sondern auch den Menschen, der Umwelt, den Arten und dem Klima.

Meine Thesen und die aktuellen Konsequenzen:

These 1:

… Just-in-Time getrimmt sind, gibt es nicht einmal eine angemessene Lagerhaltung für Schutzmasken oder Beatmungsgeräte. Grundstoffe für Antibiotika oder Schmerzmittel wurden monopolisiert und nach Asien verlagert.

In einigen Bereichen gibt es leider immer noch Engpässe, insbesondere bei Propofol, einem der wichtigsten Narkosemittel weltweit. Wir haben aktuell scheinbar genügend Intensivbetten. Würden diese aber gebraucht werden, hätten wir möglicherweise nicht genügend gut verträgliche Narkosemittel. Die Liste ist beliebig fortsetzbar…

These 2:

… Artikel 20a Grundgesetz… Kann und muss man jetzt, in dieser Krise über Nachhaltigkeit reden, von Umweltschutz, von sozialer Verantwortung?

Ja, man muss. Am 27./28.04.2020 fand der 11. Petersberger Klimadialog statt. Gerne zitiere ich aus der Pressemitteilung vom 28.04.2020. Vergleicht diese Aussagen mit meinen am 31.03.2020.
siehe auch These 7      
Zitate:
Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Um uns besser gegen künftige Krisen zu wappnen, brauchen wir einen klimafreundlichen Neustart der Wirtschaft. Unser Leitbild ist nicht die alte, sondern eine bessere Welt, die krisenfester und klimaverträglicher wirtschaftet. Der Petersberger Klimadialog hat gezeigt, dass viele Länder bereits Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft nach der Krise vorbereiten und dabei den Klimaschutz und den Schutz der Ökosysteme bereits mitdenken. In den kommenden Monaten werden weltweit große Summen in den Neustart der Weltwirtschaft investiert werden. Diese Investitionen können auch den Klimaschutz ein entscheidendes Stück voranbringen. Wer in erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität und klimaverträgliche Industrieprozesse investiert, sorgt für Klimaschutz, Innovation und Arbeitsplätze zugleich. Darum ist ein engagierter Klimaschutzplan, wie er in der EU mit dem Green Deal vorliegt, auch die richtige Strategie für den Weg aus der Coronakrise."

Der designierte Präsident der 26. Weltklimakonferenz, der britische Minister für Wirtschaft und Energie, Alok Sharma, erklärte: "Wir haben heute beim Petersberger Klimadialog die Größe der Herausforderung vor uns klar benannt. Bei der Erholung von der Coronavirus-Pandemie ist klar: Die Entscheidungen, die wir treffen, werden entweder die Grundlage legen für gesundes, nachhaltiges und inklusives Wachstum oder sie werden verschmutzende Emissionen auf Jahrzehnte festschreiben. Als designierter Präsident der 26. Weltklimakonferenz werden mein Team und ich Tag und Nacht arbeiten, um Fortschritte beim Klimaschutz zu erreichen. Das schulden wir uns und künftigen Generationen."

These 3:

Klatschen und „Danke sagen“ für die Krankenschwestern/ -pfleger … und andere Berufsgruppen ist gerade ein „viraler Hit“ … Werden wir uns als Gesellschaft nach der Krise endlich dazu bekennen, dass unser Gesundheitssystem krank ist? Wann werden die Gehälter der Pfleger/-innen und Ärzte/-innen sachgerecht angepasst? …

Wenigstens wird zunächst eine steuerfreie Bonuszahlung diskutiert, das ist ein guter Anfang …

Zitat aus spiegel-online vom 29.04.2020: Seit Wochen wird über Prämien für Pflegekräfte in der Coronakrise diskutiert. Nun soll das Kabinett den 1500-Euro-Bonus beschließen. Doch die Finanzierung ist noch unklar und an den Plänen gibt es Kritik.

Erfreulich ist, dass die Diskussion über bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung in Gesundheits-berufen begonnen hat…

These 4:

4/1 Die Wirtschaft ruft und es werden umgehend allein in Deutschland 600.000.000.000 Euro vom Staat bereitgestellt. Zuzüglich weiterer Garantien und Bürgschaften in ähnlicher Höhe.

Kleine Selbstständige, Restaurants, Hotels, kleine Shops und Handwerker haben keine Dividenden zum Ausschütten, die kämpfen um ihr Überleben. Denen hätte ich persönlich mehr finanzielle Hilfe zukommen lassen. Die Konzerne machen Kurzarbeit und bekommen die Sozialversicherungskosten gezahlt. Die Aktionäre bekommen Dividenden… Meine Frage: Ist es richtig, börsennotierten Unternehmen Milliardenhilfen bereitzustellen, wenn diese Unternehmen zur gleichen Zeit Milliarden an Dividenden an die Aktionäre ausschütten?

Bisher haben sich nur wenige Konzerne bereit erklärt, die Dividenden zu kürzen oder ganz ausfallen zu lassen. Einige Konzerne, die Dividende ausschütten, bekommen gerade staatlich gestützte Kredite in Milliardenhöhe. Als Beispiel nenne ich einen bekannten Sportartikelhersteller, der für das Geschäftsjahr 2019 Dividenden von 752 Mio. ausschütten möchte. 2.400 Mio. staatlich gestützte Kredite hat der Konzern beantragt bei einem Jahresgewinn nach Steuern im Jahr 2019 von 1.977 Mio. Wenn der Staat regulieren und lenken möchte, ist das „böse“, wenn der Staat Geld gibt, ist das „gut“ – Neoliberalismus in Bestform.

Natürlich zahlt der Konzern den Kredit mit Zinsen wahrscheinlich zurück. Könnte das aber nicht auf „dem Markt“ geregelt werden? Und die Staatshilfen denen zugutekommen, die das Geld wirklich brauchen? Wenn 2.400.000.000 Euro geteilt werden durch 50.000 Euro, dann können 48.000!! Kleinunternehmer gut durch die Krise kommen. Oder Solounternehmer, Künstler, die 15.000 Euro erhalten. Damit sind 160.000!! Soloselbständige abgesichert. Und das ist nur EIN Beispielkredit!!

Alle Hilfen auf allen Ebenen zusammengenommen betragen bisher mehr als 1.200.000.000.000 Euro. Und das wird nicht reichen… siehe auch Infos unter These 9.

4/2 Warum müssen Rentner/-innen mit 700 Euro Rente im Monat eine Einkommensprüfung durchlaufen, wenn sie die Grundrente bekommen wollen? Ach ja, die haben angeblich so viele Nebeneinkünfte…

Es gibt offensichtlich starke Kräfte in der Politik, die die Grundrente verschieben wollen. Milliardenkredite für kerngesunde börsennotierte Konzerne werden locker freigegeben. Aber wenn ca. 1.3 Mio. armutsgefährdete Rentner profitieren könnten bei jährlichen Gesamtkosten von ca. 1.3 Mrd. bis 1.9 Mrd. Euro, dann muss detailliert kontrolliert werden. Dass dieses Geld nahezu vollständig in den Konsumkreislauf fließen und den Einzelhandel stützen würde und dem Staat dadurch Steuerrückflüsse zugehen (Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, diverse Gebühren und Beiträge etc.), liegt auf der Hand.

Eine Partei fordert aktuell „Helikoptergeld“ von 250 Euro pro Kopf, um den Einzelhandel zu stützen. Das kostet schlappe ca. 21 Mrd. Euro. Dann doch besser das Geld zielgenau verwenden und denen geben, die das Geld tatsächlich vor Ort verbrauchen würden. Übrigens: mit diesem Einmalbetrag könnte man die Grundrente locker 10-13 Jahre durchfinanzieren…

These 5:

Meine Frage: Wer plant seine nächsten Urlaube für Pfingsten, die Sommerferien, den Herbst oder Winter 2020? Viele von uns wollen natürlich wieder wegfliegen, so billig wie möglich, Kreuzfahrten machen, so bequem wie möglich. Wegfahren, egal wohin. Wer glaubt denn tatsächlich, dass im Sommer 2020 wieder ungebremst geflogen werden kann wie früher?

Zitat: Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland wird derzeit gewarnt, da weiterhin mit starken drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen ist. Dies gilt bis auf weiteres fort, vorerst bis einschließlich 14. Juni 2020. Noch im Ausland befindliche Touristen sollten zurückreisen, solange es noch Reise-möglichkeiten gibt.

Also, die Pfingstferien im Ausland sind demnach nur „sehr begrenzt“ möglich. Den Sommerurlaub sollte man, sofern durchführbar, eher im Inland planen. Das Oktoberfest vom 19.09. bis 04.10. und der Cannstatter Wasen 25.09. bis 11.10. sind abgesagt. Das sind Beispiele, in welchen Zeitdimensionen wir die Pandemie betrachten müssen.

These 6:

… Wir werden einen sehr starken Wirtschaftseinbruch erleben. Die genannten 3%-5% Rezession der Wirtschaftsweisen vom 30.03.2020 sind deutlich untertrieben. Wir sollten mal eher von wenigstens 8%-10% ausgehen. Das ist wahrscheinlicher.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 29.04.2020 eine aktualisierte Einschätzung der Rezession für 2020 abgegeben. Aktuell soll das BIP auf Jahresbasis preisbereinigt um 6,3% schrumpfen. Fortsetzung folgt…

Zitat BMWI: Die Corona-Pandemie stürzt die Weltwirtschaft und mit ihr die deutsche Volkswirtschaft in eine Rezession. Die Bundesregierung rechnet für das Jahr 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 % (preisbereinigt). Für das Jahr 2021 wird im Zuge des Aufholprozesses ein Zuwachs in Höhe von 5,2 % erwartet.

These 7:

Wir kennen die Fakten beim Klimawandel, handeln aber nicht entsprechend. Wird das nach der Pandemie anders werden? Wird diese konsequente Handlungsfähigkeit in ein paar Monaten noch da sein, wenn es um Nachhaltigkeit, um Veränderung geht? Ich wünsche mir eine Zukunft, die eben nicht zurückkehrt zu der Wirtschaftsweise, wie wir sie die letzten Jahre erlebt haben. Was haben wir seit RIO 1992 getan und was haben wir unterlassen?

Siehe bei These 2 die Aussagen auf dem 11. Petersberger Klimadialog.

These 8:

8/1 Die Zinsen werden absehbar auf sehr niederem Niveau bleiben.

Die Beschlüsse der FED vom 29.04.2020 und der EZB vom 30.04.2020 zeigen auf, dass die Zinsen mittelfristig weiterhin auf sehr niedrigem Niveau gehalten werden. Hier werden wir in Zukunft manch weitere Überraschungen erleben, welche Phantasien die „Finanzingenieure“ noch haben.

Da hätte ich einiges voraus zu sagen. Beispiel: Mal angenommen, jemand möchte einen Bau- oder Unternehmenskredit beantragen und muss keine Zinsen dafür bezahlen, sondern bekommt 1% oder 2% erstattet. Utopie? Warten wir es ab.

Übrigens: Für Kleinstunternehmer, Künstler etc., die durch die Corona-Pandemie in Schwierigkeiten gekommen sind, könnten negative Zinsen eine Möglichkeit sein, weiter zu machen…

8/2 Werden die Kaufpreise für Wohnungen weiter steigen? Werden die Mieten weiter steigen?

Es bleibt eine undurchsichtige Lage auf dem Immobilienmarkt. Ich persönlich meine, dass die einseitige Richtung nach oben in weiten Bereichen abgebrochen ist. Ich würde es gut finden, wenn von den großzügigen finanziellen „Errungenschaften“ der Regierungen, insbesondere dem „Wiederaufbaufonds“ der nach der Pandemie kommen wird, ein erheblicher Teil in die Finanzierung des Neubaus nachhaltig gebauter, bezahlbarer Wohnungen gelenkt würde, anstatt börsennotierte Konzerne über Jahre zu finanzieren – von Ausnahmen abgesehen.

Das „Handelsblatt“ meinte am 22.04.2020 und die „Welt“ meinte am 27.04.2020 immer noch, dass bei den Immobilien alles weiter läuft wie bisher. Die Preise steigen nach deren Ansichten weiter. Schauen wir mal…

Auf der Webseite der ARD steht per 20.04.2020, dass die Preise laut einer Studie fallen werden. Schauen wir mal…

In der Sendung plusminus vom 29.04.2020 wurde gesagt, dass die Preise in Teilbereichen fallen werden. Das empirica-institut berichtet von teils-so-teils-so-Märkten

These 9:

9/1 … Ihr glaubt, dass es in diesen Wochen bereits einen Börsencrash gab? Wir haben aktuell gerade mal das Kursniveau vom Tag der Wahl des amerikanischen Präsidenten von November 2016 erreicht.

Die „Luftpumpen“ sind in „den Märkten“ weiter unterwegs.

… Aktuell kommt die Börse auf „Normalmaß“ zurück.

Beispiele: DAX am 09.11.2016 mit 10.712, Dax am 30.03.2020 mit 9.680 / MDAX am 09.11.2016 mit 20.731 am 30.03.2020 mit 20.691 / Dow Jones am 09.11.2016 mit 18.777 am 30.03.2020 mit 22.019 / Nasdaq am 09.11.2016 mit 4.763 am 30.03.2020 mit 7.817

Aktuelle Kurse am 30.04.2020:

DAX 10.621 / MDAX 22.539 / Dow Jones 23.946 / Nasdaq 8.783

Ihr seht, der „Börsencrash“ ist zunächst ausgeblieben, obwohl wir die „größte Rezession“ seit „Bestehen der Bundesrepublik“ haben. Vielmehr haben einige „Marktteilnehmer“ jetzt erstmal richtig „Börsencash“ gemacht. Mal sehen, wie „die Börse“ die Lage betrachten wird, wenn am 15.05.2020 / 15.08.2020 die statistischen Daten über das BIP für das erste / zweite Quartal 2020 bekannt gegeben werden. Die Aprildaten 2020 werden sehr spannend. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind derzeit nicht umfassend in Zahlen ausgedrückt. Man kann bei 10,1 Mio. Kurzarbeitern per 30.04.2020 aber mutmaßen, was auf uns zukommen wird.

Schade, dass die Regierungen in dieser Rezession sich zu stark von „der Börse“ und „den Märkten“ beeinflussen lassen, anstatt dort zu helfen und zu wirken, wo es wirklich notwendig ist.

9/2Mal sehen, wie viele 1.000de von Milliarden an Anleihekäufen die Zentralbanken durchführen werden oder Staaten Anleihebürgschaften geben werden, um einen echten Börsencrash zu verhindern.

Die Regierungen und Zentralbanken der Welt haben in schwindelerregender Höhe Gelder bereitgestellt, um die größte Rezession seit der „großen Depression“ 1929ff in eine „stabile Seitenlage“ zu bringen. Beispielhafte Rettungspakete für Deutschland und die EU:

Diese Pakete sind allenfalls „lebenserhaltende Maßnahmen“. Die nachhaltige Behandlung muss erst noch folgen. Die „Infektionsrisiken“ sind erheblich. Ich frage mich, wer hier eigentlich gerettet wird? Wenn die großen börsennotierten Konzerne Milliardenkredite und Bürgschaften erhalten, dann kommen hohe Summen zusammen. Das hat mit Rettung „der Wirtschaft“ aber nicht viel zu tun.

Werden die Selbständigen, Freiberufler, Kultureinrichtungen, die mittelständischen Unternehmen ausreichend mit Liquidität, Zuschüssen, Krediten versorgt? Ganze Branchen sind in großer wirtschaftlicher Not. Freut sich die Börse deshalb so stark, weil mutmaßlich endlich sehr viel Konkurrenz aus der Start-up-Szene und dem gesamten Mittelstand wegfällt, der Wettbewerb reduziert werden kann, um weiter zu machen wie bisher? Mal sehen, wieviel Konkurrenten aufgekauft werden oder zumindest deren Wissen, Patente.

Die Autoindustrie ruft nach Kaufprämien für im Jahr 2020 nicht absetzbare Autos mit alter Technologie. Man nennt das „unternehmerisches Risiko“, wenn der Absatz mal geringer ist. Dann fallen die Gewinne eben etwas niedriger aus. Trotz Dieselskandal lief es in den Jahren 2018 und 2019 gemäß den Geschäftsberichten von VW/Daimler/BMW „recht gut“.

Volkswagen Konzern Ergebnis nach Steuern: 14.029 Mrd. im Jahr 2019 und 12.153 Mrd. im Jahr 2018

Daimler Konzern Ergebnis nach Steuern: 2.709 Mrd. im Jahr 2019 und 7.582 Mrd. im Jahr 2018

BMW Konzern Ergebnis nach Steuern: 5.022 Mrd. im Jahr 2019 und 7.064 Mrd. im Jahr 2018

These 10:

… In einer auf unbegrenztes Wachstum ausgerichteten Welt, die mit wenig Rücksichtnahme auf soziologische, ökologische oder kulturelle Aspekte wirtschaftet, war nicht vorgesehen, dass es eine Pandemie geben könnte.

Vieles, was die Regierungen an „Hilfestellungen“ geben werden, um den Wohlstand aufrecht zu erhalten, sollte kritisch hinterfragt werden. Denn einiges an Hilfen entspricht mutmaßlich nicht den folgenden Prämissen:

Zitat deutscher Ethikrat (meine Änderungen):

Dabei kommt der Bereitschaft, die Maßnahmen des Lockdowns (des Umweltschutzes, des Klimaschutzes, des Artenschutzes, der Ressourcenschonung, der fairen Bezahlung, der fairen Arbeitsbedingungen, …) im Sinne einer gemeinschaftsstiftenden Solidarität zu akzeptieren, besondere Bedeutung zu. Sie ist im wesentlichen Umfang abhängig von zwei Faktoren:

1. Der permanenten Kontrolle von (Eignung,) Erforderlichkeit und Angemessenheit der ergriffenen Maßnahmen. Das Verhältnismäßigkeitsprinzip verlangt insoweit auch, und in der gegenwärtigen Situation im besonderen Maße, ein Einbeziehen der Zeitdimension.

2. Damit eng verknüpft ist das Postulat, der Öffentlichkeit zu erläutern, wie und unter welchen Voraussetzungen Wege zurück in einen Zustand der „Normalität“ (vorwärts in einen Zustand der „nachhaltigen Entwicklung“) beschritten werden können.

Beide Faktoren lassen sich zusammenführen im Begriff der Öffnungsperspektiven.

Seien wir anders. Verändern wir die Gesellschaft.
Sie wird sowieso anderes sein. Machen wir etwas Gutes daraus.

Beste Grüße
Dietmar Helmer   
Freitag, 01. Mai 2020